Seit über 30 Jahren lebe ich nun in Kassel. Als verheirateter Vater von drei Kindern, als Unternehmer und stets als politisch interessierter und engagierter Mensch.
Das ging viele Jahre auch außerhalb des Stadtparlamentes gut. 2005 habe ich als Parteiloser auf der Liste der Kasseler Linken.ASG bei der Kommunalwahl kandidiert. Auch damals, um mich einzumischen. Jahrelang hatte ich mich ehrenamtlich im Bereich des Kindergartenausbaus als Vorstand der Rasselbande e.V., von Kind+Kegel e.V., der Freien Schule Kassel e.V. und bei DAKITS e.V. engagiert. Ich finde es bis heute beschämend, dass alle über Bildungsgerechtigkeit reden, dass alle wissen, dass es mindestens 2 BetreuerInnen bei maximal 20 Kindern in einer Regelgruppe braucht und unsere Stadt, unsere Gesellschaft das nicht schafft. Genauso beschämend wie die Erfahrung, dass das große Sanierungsprogramm für die Schulen (in Kassel ca. 60 Millionen) nicht auf den Weg gebracht wurde, weil es die Einsicht gab, dass wir in die Schulen investieren müssen, sondern weil wegen der Finanzkrise über die Bauwirtschaft die Konjunktur angekurbelt werden sollte.
Kumulieren und panaschieren hat im März 2006 aus mir einen Stadtverordneten gemacht. Als solcher erlebte und erlebe ich, wie die Grünen, die noch im Frühjahr 2006 heftig einen Wahlkampf gegen den Neubau von Kassel-Calden gemacht haben, schon im Herbst 2006 erstmals und seitdem zuverlässig mit jedem JA für den Haushalt der Stadt bis heute Millionen und Millionen für dieses Projekt mittragen. Ich erlebe, wie sich das NEIN der Grünen zum Langen Feld so langsam in eine ähnliche “WIR-WOLLEN-DAS ZWAR-NICHT, ABER-DARAN-SOLL-DIE-ZUSAMMENARBEIT-MIT-DER-SPD-NICHT-SCHEITERN” – Haltung verwandelt.
Ich erlebe, wie die SPD, die auf Bundesebene gemeinsam mit den Grünen für Hartz-IV verantwortlich ist, in Kassel noch nicht einmal mehr dafür eintritt, den hilfebedürftigen Menschen das Geld zukommen zu lassen, worauf diese gesetzlich Anspruch haben.
Ich erlebe wie SPD und Grüne einem Stadtkämmerer und sogenannten Sozialdezernenten freie Hand lassen, in allen möglichen Politikbereichen dieser Stadt technokratisch und im steinalten BASTA-Stil, der nie Alternativen kennt, diese Stadt zu spalten.
Als Stadtverordneter in Kassel habe ich seit 2006 die Möglichkeit auf diese Widersprüche hinzuweisen. Als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters habe ich die Chance, auch hier diese Fragen zu stellen. Und ich kann Forderungen einbringen, die über den Wahltag hinaus, über die Frage “wer wird Oberbürgermeister” hinaus, Bedeutung haben.
Ich bin kein Mitglied der Partei Die Linke. Ich war noch nie in irgendeiner Partei. Seit über 30 Jahren gehöre ich zu denen, die sagen “Atomkraft-Nein-Danke” und finde es erschreckend, dass wir dagegen immer noch demonstrieren müssen.
Ich fühle mich durchaus als Teil des neuen Linken Projekts. Wie lange das gut geht? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass das Engagement von Menschen innerhalb und außerhalb dieser Partei, als Korrektiv, als Opposition wichtig und notwendig ist - kreativ, konstruktiv und mit dem Mut und der Ausdauer zum beständigen Widerspruch.















Sage mal Kai Boeddinghaus
bist Du es? Mein Reisefachmann? Deine Einstellung finde ich super. Weiter so und viel Erfolg.
Tanja Nickel
Hallo Tanja,
ich bin’s. Danke für die Unterstützung und herzlichen Gruß
Hallo Herr Boeddinghaus,
viele Studenten hier an der Universität Kassel und ich darf mich dazu zählen, bewerben sich nach Abschluss ihres Bachelors oder Diploms an Firmen und Unternehmen in anderen Regionen wie beispielsweise dem Ruhrgebiet oder runter in den Süden (Stuttgart, München, usw.). Wir sehen hier in Kassel keine bzw nicht genügend Möglichkeit sich zu entfalten und aufzusteigen.
Das, herr Boeddinghaus, ist nur ein veranschaulichendes Beispiel für die Begründung des “kasseler Aussterbens”. Ich hoffe Sie können mir in der Hinsicht zustimmend folgen. Jetzt würde es mich sehr interessieren, ob Sie das ähnlich sehen und vor allem
was genau möchten Sie dann an der Kasseler Wirtschaft und dem Bildungswesen insbesondere der Universität Kassel ändern/verbessern, wenn Sie zum neuen OB von Kassel gewähl werden.
Bedanke mich im voraus ganz herzlich für die Beantwortung meiner Fragen
und verbleibe mit freundlichem Gruß
R. Weiershäuser
Guten Abend,
danke für das Interesse. Ich beobachte das grundsätzlich anders. Sowohl als Mitglied der Vollversammlung der IHK Kassel als auch als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung bekomme ich in den letzten 12 – 18 Monaten ständig Signale über die positive wirtschaftliche Entwicklung in Nordhessen. Ein Trend, der deutlich positiver ist, als z.B. in Rhein-Main. Die Zahlen scheinen da recht eindeutig. Dazu passt, dass der prognostizierte Bevölkerungsrückgang für Nordhessen sich ebenfalls deutlich abgeschwächt hat. Mit anderen Worten: Kassel scheint aufgrund der zentralen Lage, aufgrund einer innovativen Industrie (SMA u.a.) erheblich attraktiv zu sein. Dass Kassel sowohl kulturell wie landschaftlich einiges zu bieten hat, kommt dabei höchst erfreulich hinzu. das führt nach allem, was ich höre zu einem bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangel.
Dass Menschen sich dann trotzdem auch wieder in andere Regionen orientieren, finde ich lebensnah. Das funktioniert ja auch umgekehrt, dass Leute nach ihrem Studium nach Kassel zurückkehren.
Was die Entwicklung der Stadt angeht müssen wir also auf die Uni schauen, ja. Wir müssen die Bildungslandschaft entwickeln, ja (wie wär’s endlich mit 2 Betreuer/innen auf nicht mehr als 20 Kinder pro KiTa-Gruppe). Aber die Stadt muss bei ihrer Entwicklung auch beachten, dass nicht ganze gesellschaftliche Gruppen abgehängt werden. Und da bin ich der festen Auffassung, dass diese Stadt Gebrauchswert für alle Menschen, ob arm oder reich, ob mit oder ohne Arbeit haben muss, ohne dass wir permanent danach fragen, ob die Menschen Gebrauchswert für die Stadt haben.
So, mehr sprengt diesen Rahmen. ich bin am Freitag vormittag auf dem Wehlheider Markt, nachmittags an der Treppenstr./Königsstraße. Am Samstag nochmal da. Vielleicht ergibt sich ja dort eine Gelegenheit zum Gespräch.
Freundliche Grüße
kai boeddinghaus